Herr X und die weite Welt


Wenn einer eine Reise ...

Wenn einer eine Reise tat,
und diese Fahrt gefiel ihm grad,
dann wird er gern davon erzählen,
nur um den X damit zu quälen,
was der an Schönem nun versäumt,
wovon ein Reisefan nur träumt.

Doch X'ens stecken ebenfalls
voll Urlaubsfreuden bis zum Hals,
sie sprudeln ihrerseits gleich los,
und jeder sagt: "Es war famos!"

Denn jedes hat da zu berichten
die intressantesten Geschichten.
Doch keiner hört den andern an.
Wozu, wenn man erzählen kann.

-

Wieviel hat schon die Welt verloren
weil Lippen wichtiger als Ohren!


Ansichtskarten

Herr X schreibt gerne Ansichtskarten
weil die zu Hause darauf warten,
denn immerhin sind seine Lieben
ganz ohne ihn daheim geblieben.

Wo X auch immer grade weilt,
wer mitreist weiß, daß er sich eilt,
die Kartenständer zu beäugen,
um das Geseh'ne zu bezeugen.

Die Texte finden in der Hatz
zwar kaum mehr auf dem Plätzchen platz,
das neben der Adresse bleibt
und zwingt, daß man im Kurzstil schreibt.

Doch manchem geht das auf den Keks:
"Ist der schon wieder unterwegs?!"


Erholung auf dem Lande

Herr X klagt, daß in seiner Stadt
kaum einer heut' noch Ruhe hat.
Frau X sagt's auch. Drum fuhren beide
Erholung suchend in die Heide.

Dort fängt der Tag recht zeitig an:
im Morgengrauen kräht der Hahn,
die Schafe blöken, Kühe muhen,
wie, fragt sich X, kann man da ruhen!

Auch tags, wo alle Fliegen fliegen,
kann man nicht seine Ruhe kriegen;
des nachts bringt es Herrn X zur Wut:
die Schnaken plagen bis auf's Blut!

X fährt nach Haus, wo's hupt und dröhnt;
das ist man wenigstens gewöhnt!


Hinten

Herr X bereist per Omnibus
was jedereiner sehen muß -
das, was man halt erleben soll,
bevor das Maß des Lebens voll.

So reist Herr X denn, zum Exempel,
dort hin, woviele Musentempel
und andre Sehenswürdigkeiten
zum Staunen auch den X verleiten.

Doch wenn man nun im Omnibus
statt vorne hinten sitzen muß,
ist oft das Blickfeld nicht sehr weit -
der Bus ist halt mehr lang als breit.

Und deshalb sieht der arme X
von manchem Schönen oftmals nix;
gottlob, kann er daheim dann lesen,
was irgendwo zu seh'n gewesen!


Foto-Touristen

Ob der Herr X nun als Tourist,
ob er als Gast, ob sonstwo ist,
er hat den Fotoapparat
am Hals und damit stets parat.

Er sucht auf allen seinen Touren
nur nach Motiven und nach Spuren,
und hat auch, manchmal erst nach Stunden,
schon manches fotogen befunden.

Das alles wird prompt aufgenommen
- X kann da nie genug bekommen -
fein säuberlich von hüben, drüben.
Zu Haus liegt's dann wie Kraut und Rüben."!


"Du!"

Bei Reisen oder Festlichkeiten
kann jeder jeden so gut leiden,
und dadurch bietet jedermann
das "Du" den Zeitgenossen an.

Doch trifft man nach der schönsten Reise
sich später dann in anderm Kreise,
ist es meist gut wenn man vergißt,
daß per Du gewesen ist.

So manchem fällt im nachhinein
nichts Bess'res als was Dummes ein -
dann zeigt sich, daß ein Bruderkuß
nicht für die Dauer gelten muß



Die Leseprobe hat mir gefallen
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