Herr X und das liebe Vieh


Schnaken-Plagen

Stechmücken (anderswo sind's Schnaken)
gehören wohl zu jenen Plagen,
die uns der Teufel eingebrockt,
der hämisch in der Hölle hockt,
wenn seine Boten, diese frechen,
uns höllisch brennend jählings stechen.

Besonders wenn sie nächtens schwirren
und X'ens Ohren laut umsirren
in seinem Zimmer nah am See,
da tut es in der Seele weh,
so ängstlich da herum zu liegen
und kaum ein Auge zuzukriegen.

Daß nach dem Schlusse keiner frag:
Es endete mit einem Schlag -
und seitdem ziert die weiße Wand,
ein Fleckchen Blut von X'ens Hand!


Der Sittich

Ein Sittich, der sich stets bemühte,
um Sitte, Anstand, und um Güte,
der mußte eines Tags bemerken,
daß ihm nichts blieb von seinen Werken.

Da war ein reichlich schräger Vogel,
der brachte es mit viel Gemogel,
zu Reichtum, Ehrenämtern und
auch mit den Weibern trieb er's bunt.

Den Sittich hatte er betrogen,
gerupft, daß alle Federn flogen,
und niemand kannte ihn nun mehr
als Sittichs Spendenbeutel leer.

Man sieht, selbst in der Vogelwelt,
pfeift man auf Anstand; denn mit Geld
muß keiner dieser Vögel laufen -
wer Geld hat, kann sich Federn kaufen.


Zecken

Wozu gibt's eigentlich die Zecke?
So wie es scheint doch nur zum Zwecke,
von anderen sich Blut zu saugen,
doch wofür sonst Schmarotzer taugen,
läßt unsereins, bei allen Deifeln,
am Sinn der Schöpfung fast verzweifeln.

Beim besten Willen kann, bei Zecken,
Herr X kein' tiefern Zweck entdecken:
Sie saugen Blut von Hunden, Katzen,
von Mäusen, Menschen, bis sie platzen.
-
Wie schön, denkt X, wenn's ungefähr
so bei Finanzministern wär!


Der Knurrhahn

Es schwimmt in dem Aquarium
ein Knurrhahn knurrend rundherum,
doch ist das weiter nicht betrüblich,
Knurrhennen halten dies für üblich.

Der Knurrhahn scheint den Menschen sehr,
daß er stets übellaunig wär,
doch abgesehen vom Gesicht,
ist die Erscheinung ein Gedicht.

Es sind die Flossen, herrlich bunt,
Betrachteraugen Freudengrund -
dagegen ist ein häuslicher
(ein menschlicher) weit scheußlicher.


Blattlaus Mensch

X hat daheim ein Blütenmeer.
Wenn da nur nicht die Blattlaus wär,
die ihm die schöne Blumenwelt,
stets eins ums andre Mal vergällt,
weil sie, wobei sie sich vermehrt,
der Pflanzen Lebenssaft verzehrt.

Nun denkt die Blattlaus nichts dabei.
Sie meint, daß es so richtig sei,
sich ganz natürlich auf den Weiden,
die sich da bieten, auszubreiten.
Das ist seit jeher Blattlaus-Brauch.

Die Menschen machen es ja auch!


Nützliche Feinde

Herr X, der einmal jagen wollte,
nicht wußte, was er jagen sollte,
auch nicht, ob Pulver oder Schrot,
erlag dem Streß - Herr X war tot!

Von dem Ereignis hörten flugs
die Tiere. Doch ein alter Fuchs
und seine ganze Sippe fraßen
die nunmehr nicht-geschoßnen Hasen.

Draus folgt, daß auch ein Feind dir nützt,
solang er dich vor andern schützt.



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