Herr X und sein heiliX-Blechle


Stau

Im Stau steht der Herr X und wartet.
Das ganze scheint wie abgekartet:
Sonst, keine Schlange, weit und breit,
doch heute, wo er knapp an Zeit
und es ihm wirklich einmal eilt,
ist er im Stau hier eingekeilt.

Da hilft kein stoischer Humor:
man rückt nur stückchenweise vor -
nach einer Stunde sturen Staus
nimmt er die nächste Ausfahrt! Raus!

Dort kommt er bei der Roten Welle
nun auch nur langsam von der Stelle,
und während er hier wartend döst,
hat sich der Stau längst aufgelöst!


Verkehrt

Herr X, ein Mensch wie du und ich,
der ärgert sich gar fürchterlich
wenn er, wie es recht oft geschieht,
die "Blödheit" andrer Menschen sieht.

Besonders wird sein Geist erhitzt,
wenn er am Autosteuer sitzt,
weil jeder andre der da fährt,
mit Sicherheit verkehrt verkehrt.

"Was glaubt denn so ein blöder Tropf
(man greift sich wirklich an den Kopf)
ganz ohne Achtung vor den Regeln,
so kreuz und quer dahinzusegeln!"

Dieweil Herr X nun solches denkt
ist er - ganz kurz nur - abgelenkt
und sieht das grelle Bremsenlicht
des eignen Vordermannes nicht!

Moral: So ist des Lebens Lauf,
paßt man zu sehr auf andre auf,
was die für dumme Fehler machen,
vergeht uns meist dabei das Lachen.


Röhrchen

Herrn X hat's wiedermal erwischt:
Mit Freunden. Etwas viel "gezischt"!
Per Auto. Auf dem Heimweg dann:
Grün-Weiße Streife! Hielt ihn an!

Herr X war blau! Das Röhrchen grünte.
Man sah jetzt rot (und schwarz!), X sühnte
- als hätt er's nicht vorher gewußt -
mit Bußgeld. Führerscheinverlust.

Das Konto, welches Flensburg führt,
war dann noch außerdem berührt.
Zudem läßt ihn der Spott der Seinen
wie eine Witzfigur erscheinen.

X lernt daraus: Es reimt sich "Glas"
nur klaglos im Gedicht auf "Gas".


Parkverbot

Herr X stand grad seit kurzer Frist,
wo's Parken strikt verboten ist.
Das sieht des Städtchens Politesse
mit streng beruflichem Intresse.

Sie schreibt ihn auf - er sieht's voll Wut,
und so entspinnt sich ein Disput
X hat sich anfangs noch im Zaum,
die Politess berührt es kaum.

Dies bringt ihn fast um den Verstand,
und damit außer Rand und Band:
X schreit, daß alle Wände wackeln,
von "Bullen!", "dummen Hunden!", "Dackeln!"

Sie sagt nichts, aber sie notiert(!),
was er verbal da injuriert.
Er schreit - sie hört; er brüllt - sie schreibt.

Herr X begreift: "Wer s c h r e i b t , der bleibt!"


Selber einer!

Heut morgen ist Herr X aus Xanten
wohl falschen Beines aufgestanden;
so sitzt er ärgerlich am Steuer
und schimpft auf alles: "Ungeheuer,

was diese blinden oder tauben
Herrn Autofahrer sich erlauben!
Was allesamt für krumme Sachen
so TÜV-geprüfte(!) Deppen machen,
das spottet - ohne Übertreibung -
doch wirklich jeglicher Beschreibung!"

Herr X beurteilt, voll-neurotisch,
der andren Tun als "vollidiotisch!",
er zeigt den "Vogel", leert den Kropf,
er faßt sich wütend an den Kopf.

Doch bei dem tobenden Gestrampel
mißachtet er die Rote Ampel,
und handelt so den Führerschein
noch gegen Nachhilfsstunden ein!


"Vogel"

Ein Autofahrer zeigte X
den "Vogel", ehrlich: wegen nix!
Grad etwas, das der gute Mann
nun einmal nicht verknusen kann.

X hatte zwar die Autonummer
doch fehlte ihm, zu seinem Kummer,
ein Zeuge der den Fall bestätigt.
Und damit war der Fall erledigt.

Daß einer, wenn ihm dies passiert,
dann auch mal sauer reagiert,
sich weidlich ärgert, denke ich,
ist weiter nicht verwunderlich.

So traf die Tücke des Geschick's
den armen leidgeprüften X,
er gab den "Vogel" nämlich weiter
an einen Mann - mit Zeugen! - Leider!


Motor-Potenz

Als Autofahrer war Herr X
am Steuer seines Wagens fix.

"Wozu", fragt er mit heitrer Miene,
"hab ich denn sonst wohl die Turbine,
hier unter meiner Motorhaube,
wenn ich dem Triebwerk nicht erlaube,
auch auszufahren, was drin steckt.

Nur, wenn man seine Kräfte weckt
(was man von Zeit zu Zeit ja muß)
hat man den rechten Fahrgenuß!"

Und alles lief auch wie geschmiert.
Nur: Viel zu klein dimensioniert
war'n seine Bremsen! Kurz darauf
gab er den Geist (samt Triebwerk) auf.


Lückenhüpfer

Da fuhr ein Kerl in der Kolonne.
Er hüpfte stets zur größten Wonne
von einer zu der nächsten Lücke,
daß sich sein Fahrerherz entzücke.

Läßt von den Überholten allen
dann einer mal sein Horn erschallen,
tut er dem fiesen Zeitgenossen
prompt allerlei zum puren Possen:

Er zeigt, daß er vom Vordermann,
selbst großen Abstand halten kann,
gefällts dem Hintermann dann nicht,
macht er die Lücke wieder dicht,
schert wieder aus und eins-zwei-drei
rauscht er am nächsten schon vorbei
um dann, vergessend alle Lehren,
in dessen Bremsraum einzuscheren.

So läßt sich, mittels Hüpfvergnügen,
das eigne Glück recht lang betrügen;
doch irgendwann bei aller Müh
bremst dann ein Vordermann zu früh!

Man heißt ihn - falls er's überlebt
und nicht gar gleich zur Höll entschwebt -
im Krankenhaus zu seinem Glücke:
"Willkommen - in der Nachbarlücke!"


Sprit

Als X beim Autorennen war,
da wurde es ihm sehr schnell klar:
Die Autos sind so wichtig nit,
viel wichtiger ist oft der Sprit -

nicht der im Rennboliden-Tank,
nein, jener Flaschenkinder-Trank,
den all die vielen Fans hier trinken,
die dann mit ihren "Fahnen" winken.


Heile Welt

Man sitzt am Steuer seines Wagens
mit allen Zeichen des Behagens,
der Motor schnurrt, die Reifen singen,
man hat den Bauch voll Schmetterlingen,

vor sich die freie Autobahn
und niemand hängt auch hinterdran,
die ganze Welt ist lieb und brav -
da reißt der Wecker aus dem Schlaf.

Und prompt zeigt sich der Weltenraum,
traumatisch anders als im Traum.


Die Leseprobe hat mir gefallen
ich möchte das Buch bestellen.