Herr X im allgemeinen


Über Herrn X

Herr X ist so wie du und ich,
er freut sich und er ärgert sich,
er ist mal faul, mal ist er fleißig,
doch ganz bestimmt ist er, das weiß ich,
ein Mensch mit Herz und auch mit Seel',
und tritt er hie und da mal fehl,
so macht das schließ- und endlich nix,
er ist halt so: er ist Herr X.

Er ist, wie alle Menschen halt,
erst jung dann älter, schließlich alt,
und eines Tages wird man lesen,
X sei ein guter Mensch gewesen.

Da ist nur eines, das mich stört:
Er hätt's noch selber gern gehört.


Der Erbe

Herr X ist auf dem Weg zur Bank,
dort hat er nämlich - Gottseidank! -
vom Erbe seiner lieben Tante
noch etwas auf der Hohen Kante.

Und grad von dieser denkt er eben,
mal wieder etwas abzuheben.

Dasselbe klappte lange Zeit,
doch heute grad war es soweit,
daß dieses Konto, ausgelutscht,
auf Null-Niveau herabgerutscht.

Und also sprach der Neffe klug:
"Die Tante sparte nicht genug!"


"Sehr erfreut!"

Recht häufig wird in dieser Welt
man andren Leuten vorgestellt;
das läuft dann meistens kurz und knapp
nach eingespielten Regeln ab:

A kennt den X, nennt dessen Namen
nun andren Herren oder Damen,
was ebenso dann - garantiert -
auch gegenzügig funktioniert.

X schüttelt Hände und bedeut'
den andern, er sei sehr erfreut,
zumindest, es sei angenehm.
Verbeugung. Handkuß. Je nachdem.

Doch steht er später irgendwie
den Leuten wieder vis-a-vis,
hat X sein schnelles "Sehr erfreut!"
im Nachhinein schon sehr bereut!

Denn manchmal stellt es sich heraus:
der Andere ist eine Laus,
die einen doch nur dann beglückt,
wenn man sie mit Genuß zerdrückt!


F. d. H.

Herr X hat beim Geburtstagsessen
den Rat des Arztes ganz vergessen,
sich mit der Hälfte zu begnügen:
"Ihr Körper läßt sich nicht betrügen!"

Weil es ihm schmeckte, aß er halt,
und dieses schnell (er mag's nicht kalt!),
dazu, grad seinem Arzt zum Hohn,
auch noch die doppelte Portion.

Das ging dann gründlich in die Hose:
der Blutdruck sank ins Bodenlose,
er selber ist dabei vor allen
Gästen noch vom Stuhl gefallen.

_

Das ist nun ziemlich lange her.
Herrn X passierte dies nicht mehr -
man hat zu Schlemmermahl und Braten
ihn einfach nicht mehr eingeladen!


Mehr!

Als X noch Kind war wünschte er,
daß er doch endlich älter wär;
jetzt aber wünscht er Stück um Stück
sich seine Kinderzeit zurück.

Das scheint den Menschen so beschieden,
daß sie mit nichts und nie zufrieden;
man wünscht sich immer andres, statt
sich des' zu freuen, das man hat.


Sag es doch!

X, "altgedienter Ehemann",
sagt seiner Frau noch dann und wann,
daß er sie liebt, daß auf der Welt
ihm keine andre so gefällt.

So sind sich beide, auch nach Jahren,
noch über ihr Gefühl im klaren.

Im Nachbarhaus wohnt Y.
mit seiner Frau, auch sie sind schon
ein trautes Paar seit langer Zeit -
sie sagen: "... eine Ewigkeit".

Und ewig lange wünscht sie sich,
daß er mal sagt: "Ich liebe Dich!"
Dabei hat es sich längst bewährt:
es funktioniert auch umgekehrt!


Die Leseprobe hat mir gefallen
ich möchte das Buch bestellen.